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Erörterung - Tipps und Beispiel Textgebundene Erörterung


23. Dezember 2007

Schuluniform Erörterung

Schuluniform Erörterung

Steckt die Schüler in Uniform!“

 

 

Der Ausformung von den in England so beliebten Ticks und Schrulligkeiten des einzelnen [!] hat das keinen Abbruch getan“ schreibt Christine Brinck in ihrem Text „Steckt die Schüler in Uniform!“.

Im Wesentlichen stellt sie die These auf, Schüler müssten in der Schule Uniformen tragen um bessere Schulleistungen erbringen zu können. Sie stellt Amerika, England und Deutschland in Beziehung, allerdings ist es fraglich, ob man diese drei Staaten hundertprozentig miteinander vergleichen kann.

 

Für Christine Brinck stellt die Uniform eine Erleichterung der Geldbörse dar, da immer mehr Jugendliche wert auf Markenprodukte und „Coolness“ legen, was sich meistens auf die Finanzen der Eltern mehr oder weniger erheblich auswirkt. Sie scheint allerdings nicht zu bedenken, dass SchülerInnen auch außerhalb der Schule noch ein Leben haben, in dem sie keine einheitliche Uniform tragen bzw. tragen wollen.

Sie schreibt auch, dass die Individualität dadurch nicht beeinträchtigt wäre, da auch Menschen in vielen verschiedenen Berufsgruppen Uniformen tragen. Aber was haben Ärzte, Stewardessen oder sonstige uniformierte Erwerbstätige mit SchülerInnen zu tun? Es ist nahe liegend, dass man einem Arzt, der wie ein Obdachloser gekleidet und vielleicht auch dementsprechend gepflegt ist, weniger Vertrauen entgegen bringt (wodurch dieser keine optimale Behandlung anbieten kann), als einem steril in weiß gekleideten Arzt, mal abgesehen von der gesundheitlichen und hygienischen Komponente. Wenn ein Schüler allerdings in dieser Art gekleidet in der Schule sitzt, ungeachtet dessen, was in seinem privaten Umfeld vor sich geht, wird er wahrscheinlich weder eine bessere noch schlechtere Schulleistung erbringen als in Uniform.

Auch ist für die Autorin die Uniform eine geeignete Präventivmaßnahme gegen die Einschüchterung einzelner Schüler, da sie offensichtlich die Schuld an diesen Ereignissen auf die Kleidung schiebt. Man muss aber dazu sagen, dass Einschüchterungen dieser Art nicht allein auf das Konto der Kleidung und des Aussehens, sondern ebenfalls des Charakters und der Persönlichkeit der betroffenen Person gehen.

Christine Brinck sagt „dass die Schule ein besonderer Ort ist, für den man sich auf besondere Weise vorbereitet. […], so sollten auch Schüler […] ihren ‚Arbeitsplatz’[,] in einer angemessenen Kleidung betreten.“ Natürlich ist es nicht unbedingt angebracht die Schule in Bikini und Hotpants zu betreten, allerdings lässt der Ausdruck „angemessen“ hier einen sehr breiten Spielraum für Interpretationen zu. Abgesehen davon hat es bisher anscheinend niemanden so erheblich gestört, dass Uniformen nicht zu der Standardausrüstung eines jeden Schülers gehören, warum also jetzt plötzlich? Und wäre das Thema nicht schon viel früher aufgekommen, wenn es ernsthaft als so störend empfunden wird?

Kleidung signalisiert also Einstellung“ schreibt Frau Brinck. Tatsache ist, dass sich verschiedene Kleidungsstile zu verschieden Anlässen in unserer Gesellschaft nun einmal etabliert haben, wie bei Hochzeiten oder Beerdigungen, um nur zwei Beispiele aus vielen zu nennen. Dadurch wird eben Freude bzw. Trauer ausgedrückt und bei solchen Anlässen hat wahrscheinlich jeder die gleiche Einstellung. Man kann aber nicht von allen Schülern verlangen, die gleiche Einstellung gegenüber der Schule zu haben, und sie somit auch nicht zwingen, eine einheitliche Uniform zu tragen, noch dazu kann ein Individuum seine persönliche Einstellung gegenüber Schule, Gesellschaft etc. nicht mehr in seiner bevorzugten Art und Weise ausdrücken.

Es ist utopisch zu glauben, dass eine Uniform mehr Selbstwert – und Zugehörigkeitsgefühl aufkommen ließe, wodurch die Schulleistung eines Einzelnen gesteigert werde, was unlogisch erscheint, denn sonst dürfte theoretisch kein uniformierter Schüler auf der Welt Probleme in der Schule haben.

Identifikation mit der eigenen Schule und daraus folgend mehr Stolz und Respekt für diese wird ebenfalls als Argument angegeben. Aber ist dazu wirklich eine Uniform nötig? Stolz und Respekt für die Schule sind unabhängig von der Uniform, denn es sind die ideellen Werte (Unterrichtsform, Persönlichkeit/Einstellung der Lehrer bzw. des Direktors etc.) die einen Schüler stolz machen, oder eben auch nicht.

Wie bereits erwähnt vergleicht Christine Brinck Amerika, England und Deutschland miteinander ohne wirklich Rücksicht auf die kulturellen, gesellschaftlichen und auch politischen Unterschiede zu nehmen.

In Amerika sieht die Situation folgendermaßen aus: In amerikanischen Schulen – vor allem in Großstädten – beginnt man Kleidungsvorschriften durchzusetzen. Es werden bestimmte Schmuckstücke in Nase, Ohren und auf den Zähnen verboten, sowie pelzgefütterte Lederjacken und Basketballjacken bestimmter Clubs. Zu erwähnen ist jedoch, dass der Besitz jener Sachen einen hohen Neidfaktor darstellt, der in der weit auseinanderreichenden Kluft zwischen Arm und Reich schon dem einen oder anderen das Leben gekostet hat, zumal in Amerika die Kriminalitätsrate ein Vielfaches von jener in England und Deutschland sowie die Mentalität und Moral eine andere ist.

Die […] Engländer stecken ihre Kinder seit Ewigkeiten in Schuluniformen.“ So individualistisch und demokratiebesessen die Engländer sein mögen, so konservativ sind sie auch. Die englischen Schüler tragen seit „Menschengedenken“ Uniformen, was auch niemanden sonderlich wundert, da die Schuluniform in England einen relativ hohen Stellenwert besitzt und genau darin liegt der Unterschied zum mehr oder weniger „unmoralischen“ Amerika und zum „modernen“ Deutschland.

Die Notwendigkeit der Uniform in Deutschland begründet die Autorin mit dem zunehmenden Zoff und Leistungsverfall. Ihrer Aussage zufolge ist die Schuluniform dafür zu gebrauchen, Kinder von Einheimischen und Ausländischen zu solidarisieren und ihnen gegenseitigen Respekt einzuflößen. An diesem Punkt schiebt Frau Brinck die Schuld am Zoff und Leistungsverfall wieder der Kleidung im wahrsten Sinne des Wortes in die Schuhe. Aber man sollte nicht beim Aussehen, sondern bei den Einstellungen und Vorurteilen der Eltern, Vorbilder und Pädagogen beginnen, die bedauerlicherweise bis zum heutigen Tag noch nicht aus der Welt geschafft wurden.

Auch haben sich die Moralvorstellungen in den letzten Jahren und Jahrzehnten erheblich gewandelt. So wird Sex im Fernsehen nicht mehr als unsittlich bezeichnet und Leute in Videospielen „umzuballern“ ist völlig normal geworden.

 

Meiner Meinung nach ist die Uniform absolut nicht die „ultimative“ Lösung für Probleme in Schulen.

Das Argument, von wegen kein Kaufzwang mehr, zieht nicht, da die Jugendlichen in ihrer Freizeit wahrscheinlich nicht freiwillig in Schuluniform herumspazieren, zumindest kenne ich persönlich niemanden, der sich derart mit seiner Schule verbunden fühlt.

Einschüchterungen – heutzutage auch Mobbing genannt – werden wahrscheinlich trotz Uniform anhalten, da die Uniform die Persönlichkeit und den Charakter kaum beeinflusst oder gar verändert.

Ich bezweifle, dass sich die Schulleistungen der einzelnen Schüler durch Schuluniformen so drastisch wie beschrieben bessern, denn sonst dürfte kein einziger Uniform-Träger Probleme in der Schule haben. Oder etwa doch?

Die Individualität des Einzelnen wird innerlich zwar nicht eingeschränkt, äußerlich ist es jedoch wieder etwas ganz anderes. Denn wenn man seine Einstellung zeigen möchte, dann meistens öffentlich und durch seine Art sich zu kleiden, aber dies geht mit Uniform doch etwas schwer.

Wenn es schon eine Uniformpflicht an Schulen gibt, dann wäre es doch angebracht, die „freiwilligen“ Schüler – also die Schüler außerhalb der Pflichtschule – davon zu verschonen. Denn meiner Meinung nach gehen Schüler nur dann freiwillig auf eine Schule, wenn sie kein Problem mit der jeweiligen Schule oder deren Methoden haben und somit können sich die Schüler auch ohne Uniform mit ihrer Schule identifizieren.

Ich bin der Auffassung, dass man über eine Kleidervorschrift oder gar eine Uniformpflicht in Schulen gründlich nachdenken und vor allem die Betroffenen nicht aus diesem Prozess ausschließen sollte.

 

 

 

Emilia Galotti Erörterung

Emilia Galotti Erörterung

 

Wer ist Schuld am Tod Emilias?

 

 Odoardo

  • hat die Tat ausgeführt

  • hat sehr strenge Moralvorstellungen und Emilia dazu erzogen, dass sie den Tod dem Verlust der Unschuld vorzieht

 Prinz + Marinelli

  • gab Marinelli freie Hand

  • wollte Emilia um jeden Preis (keine Rücksicht)

  • trennt sie von ihren Eltern + lässt sie nicht gehen

 Emilia

setzt den Vater unter Druck (erpresst ihn)

 

 

Emilias Tod- Sieg oder Niederlage?

 

Für Lessing: kein Sieg Moralvorstellungen, aber nicht Mensch bewahrt

 

Sieg

Niederlage

Für Emilia

 Tugend+ Reinheit bewahrt

Für Prinz

 Emilia nicht bekommen

Für Odoardo

 Tochter vor Prinz gerettet

Für Odoardo

 einzige Tochter verloren

Für Graf Appiani

 Emilia nicht an Prinz verloren

Für Marinelli

 Vertrauen des Prinzen verloren

 

 

Odoardos Gründe für den Mord

 

Verfassung:

  • hat Autorität als Familienoberhaupt verloren (keinerlei Einfluss auf Emilia)

  • Ruf der Familie schwer geschädigt

 

 Druck + Provokation durch Emilia

 Religion: Selbstmord =Sünde

 Geschichte von Virginia

 

Odoardos Moralvorstellungen

 

  • christliches- moralisches Bewusstsein

 Sittlichkeit

Triebverzicht

Gehorsam

Sex. Unschuld

Wahrhaftigkeit

Natürlichkeit

Frömmigkeit

Demut

 

  • Frau= Ehefrau + Mutter

Mann= Familienoberhaup

Höfische Welt (Bsp.: Prinz, Marinelli)

Bürgerliche Welt (Bsp.: Familie Galotti)

Mätressenwesen

(Klein-) Familie

Politische Heirat Sicherung der Macht +

Sicherung der Thronfolge

Autorität des Vaters (patriarchalische Struktur)

Durchsetzung privater Interessen

Privatheit/ Intimität

 Mittel der Abgrenzung

Hof: Macht- /Gewaltmonopol

Achtung auf guten Ruf

Laster

Triebentfaltung

Materialismus (Luxus, Prunk)

Willkür (Launen)

Zerstörung , Verstellung, Intrigen

Strenge Moralvorstellungen (Tugendkanon)

 Doppelcharakter

  • Prinzipien legitimieren das Bürgertum

  • Adelskritik

  • Selbstbewusstsein

  • Entwicklung eingeschränkt

  • Gutes Benehmen, sonst schlechter Ruf schweres Leben

 

Rückzug vom Hof (Landleben) Entziehung der Sphäre des Hofes

 

 

 

 

Biographie: Emilia Galotti

 

Alter: ca. 18 Jahre

Heimat: Guastalla

Wohnt mit ihrer Mutter zusammen, Vater wohnt auf dem Landgut Sabionetta

Gut bürgerliche Familie

Geplante Heirat mit Graf Appiani will gute Ehefrau/ Mutter sein

Munter, ehrlich, höflich, zurückhaltend

Sehr gläubig, unschuldig

 

 

 

 

Familienstruktur der Galottis

 

  • Familie lebt getrennt

 in der Stadt => anständige Erziehung, Mann von Rang und Namen

 

  • unterschiedliche Wertevorstellungen

 Mutter+ Tochter = Natürlichkeit, Intelligenz => Aufklärung!

 Vater = Angst um Verführbarkeit der Tochter, lässt keinen Raum zur Selbstbestimmung => weit von der Aufklärung entfernt

 

  • Ehe mit Appiani

 für Claudia = Lebensveränderung

 für Odoardo ändert sicht nicht viel, große Ehre solch einen Mann zum Schwiegersohn zu haben

 

  • Vater = Familienoberhaupt

Aber: Claudia widerspricht Zeichen der Aufklärung

Revolutionärer Schluss angedacht

 

  • Orsina droht mit Öffentlichkeit , Volk soll mobilisiert werden

- Bezug auf Virginia (Geschichte, die mit Volksaufstand gegen den Adel endet)

 

 

 

 

 

 

 

Textgebundene Erörterung

 

  1. Einleitung (Autor, Titel, Thema)

  2. Sachlich Gedanken des Autors wiedergeben indirekte Rede

  3. Bewertung der Schlüssigkeit der im text aufgebauten Begründung

  4. Begründete Zustimmung, Ablehnung oder weiterführende Problematisierung

 

 Textwiedergabe im Präsens

 Zitate

 Redewendungen z.B. der Autor behauptet, dass…

 

 

 

 

 

 

Konjunktiv in der indirekten Rede

 

Vorzeitig dieser habe sich gesorgt (Sing.)

Diese hätten sich gesorgt (Plur.)

 

Der Autor sagt Gleichzeitig dieser äußere Beschwerden

Diese äußerten Beschwerden

 

Nachzeitig es werde verschwinden

Sie würden verschwinden

Ganztagsschulen Erörterung

Ganztagsschulen Erörterung

Sind Ganztagsschulen sinnvoll?

 

Die aktuelle bildungspolitische Diskussion wird derzeit von einem Thema dominiert, nämlich die Einführung der Ganztagsschule. Angesichts der nicht nachlassenden Kritik des deutschen Bildungssystems vor dem Hintergrund des schlechten Abschneidens deutscher Schüler im internationalen Vergleich der PISA-Studie werden zunehmend Stimmen laut, die sich für eine Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre aussprechen.

 

Um zu einer sachlich ausgewogenen Entscheidung zu kommen, ist es wichtig, sich einmal mit den Vor- und Nachteilen einer Einführung der Ganztagsschule insbesondere an Gymnasien auseinanderzusetzen.

 

Die Motivation der Eltern dürfte durchaus von der primären Erwartungshaltung bestimmt sein, ob sie durch die Ganztagsschule mehr Entlastung und Freiheit zur Entfaltung der eigenen Lebens- und Arbeitszeit erhalten können. Hingegen dürften die Befürchtungen der betroffenen Schüler eher darin liegen, durch die Ausweitung der Schulzeit auf den ganzen Tag erhebliche Einschränkungen in der eigenen Freizeit zu erfahren. Außen vor geblieben sind bislang Aussagen von Seiten der betroffenen Lehrkräfte, die gleichfalls Anregungen zum Nachdenken geben könnten.

 

Eltern führen als positive Argumente an, dass Schüler von dazu befähigten Lehrern ganztägig pädagogisch betreut und beaufsichtigt werden, die dadurch eingehender die individuellen Fähigkeiten der Schüler entwickeln und Kinder mit Lernschwächen gezielt fördern können. In der Schule würden alle Lehr- und Lernmittel zur Verfügung stehen, so dass die Schüler mehr Möglichkeiten der Lern- und Arbeitstechnik nutzen könnten, was auch ein wichtiger Beitrag dazu sei, ihre Eigen- und Selbständigkeit individuell zu entwickeln. Die Ganztagesbetreuung wirke sich vor allem auf das Lernverhalten der Schüler fördernd aus, da im Klassenkontext ein sozialer Rahmen und Anreiz zur Leistung gegeben sei. Nicht zuletzt werde gewährleistet, dass in der Schule anders als zu Hause auch eine umfassende Hausaufgabenbetreuung erfolgt, was für die Schüler mit positiven Lerneffekten und für die Eltern mit einer spürbaren Entlastung verbunden sei.

 

Aus Sicht der Schüler steht primär die Zeit, die man in der Schule verbringt bzw. verbringen muss, im Focus der Betrachtung. Über den Vormittag hinaus werde in der Ganztagsschule auch der Mittag und Nachmittag durch die Schule verplant und geprägt. Durch den Ganztagesaufenthalt fühlten sich Schüler von früh bis spät organisiert und beaufsichtigt. Das in der Schule bleiben werde zum „Muss“, zum bleiben müssen, zum Zwangsaufenthalt. Schule werde als Aufbewahrungsstätte empfunden, wenn sich der Schüler ihr nicht mehr entziehen könne, wenn fünf Tage die Woche vom frühen Morgen bis späten Nachmittag kein Raum mehr für Erholung, Freizeit, Freundeskreise, Hobbies und Sport bleibe. In der Ganztagsschule würden Ausbildung und Lernen institutionalisiert und entsprächen nicht mehr dem persönlichen Lebensrhythmus.

An die Stelle von eigenständigem und häuslichem Lernen trete verordnetes und verschultes Lernen. Ein Mehr an Schule bringe einen Verlust an persönlicher Zeit für Ruhe, Erholung und insbesondere Alleinsein. Auch trage dies zu einer Entfremdung vom individuellen Leben bei.

 

Für Lehrer ergeben sich, was ganztägigen Schulaufenthalt mit entsprechenden Einschnitten im Freizeitbereich anbetrifft, durchaus ähnliche Auswirkungen wie bei den Schülern. Man könne nicht vormittags und nachmittags in gleicher Weise powern und Höchstleistung bringen. Bisher habe man sich nach der Schule erholen und für den neuen Tag vorbereiten können, was dann nicht mehr möglich sei. Im Hinblick auf die Notengebung werde es unausweichlich sein, zusätzlich zur Aufgabenbetreuung nachmittags weitere Hausaufgaben als Vorbereitung für Tests, Klassenarbeiten und Kursarbeiten aufzugeben. Zur Korrektur dieser Arbeiten würden zunehmend Abende und Wochenenden herangezogen werden müssen. Insgesamt würde das Engagement für den Lehrberuf und damit für die Ausbildung und Erziehung der Schüler leiden.

 

Im Familienleben der Schüler mit ihren Eltern, Geschwistern und Freunden zeigen sich Auswirkungen, die Veränderungen im emotionalen und sozialen Verhalten mit sich bringen. Von Eltern wird nicht ganz uneigennützig eine Verlagerung der Verantwortung für die Erziehung und Entwicklung der Kinder auf die Schule ins Feld geführt. Andererseits wird die höhere finanzielle Belastung der Eltern auch zu Einschnitten in anderen Bereichen z.B. im Freizeitbereich führen, was neben dem individuellen auch als materieller Verzicht und Verlust erfahren wird. Gemeinsame Freizeitgestaltung ist nur noch an Abenden oder am Wochenende möglich.

 

Im Ergebnis sind nach eingehender Betrachtung mehr kritische als befürwortende Argumente für die Einführung der Ganztagsschule anzuführen. Was bei den Überlegungen bisher noch wenig oder überhaupt nicht beachtet wird, ist die Frage einer generellen Reform der Schulpolitik. Die Beispiele von Finnland und anderen Ländern mit hohem pädagogischem Erfolg zeigen, dass eine gute Ausbildungsquote weniger von der Frage der Ganztagsschule abhängt als von einer individuellen Betreuung der Schüler und Entwicklung seiner persönlichen Befähigungen. Hier gibt es meines Erachtens noch viel Aufklärungsbedarf. Vor einem Schnellentschluss zur Einführung der Ganztagsschule sollte überlegt werden, das gesamte deutsche Schulsystem vom zu reformieren.